Der Spreewald

Bericht und Portrait (2001)
von Johannes und Josef Still, Trier

Zuerst ein kleiner Bericht von Johannes Still (geb. 1991):

Eigentlich hatte ich mich gar nicht so auf den Spreewald gefreut, doch es hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Wir fuhren am 5. Oktober 2001 in Trier ab. Die Autofahrt war ziemlich lang, unser Auto war vollgestopft mit fünf Personen, zwei zerlegten Faltbooten, meinem Kinderkanu auf  dem Dachträger und dem übrigen Gepäck, und deshalb war es schön, endlich da zu sein.

Im Gasthof “Dubkow Mühle” gab es gutes Essen, schöne Zimmer, nette Angestellte und einen tollen Blick auf die Hauptspree. Davor, an der Spree, gab es eine Schleuse, die man selbst bedienen konnte (nur mit Schwimmweste!). Die Stauhöhen aller Spreewaldschleusen sind sehr gering (ca. 30 cm – 1m). Weil die Paddler, die dort vorbeikommen, oft nicht aussteigen wollen, kann man für sie die Schleuse bedienen. Damit habe ich wenigen Tagen 13 DM verdient!
In den nächsten vier Tagen paddelten wir auf der Hauptspree, sowie auch auf vielen Nebenarmen der Spree. Damit man sich in dem Gewirr zurechtfindet, sind überall an Kreuzungen und Gabelungen Wegweiser, die angeben, wo man sich befindet. Natürlich braucht man auch eine Flusskarte, sonst weiß man ja nicht wo man hinfahren muss.

Wenn man in so einem Wald herumpaddelt, stehen natürlich auch Hindernisse im Weg. Zweimal kamen wir an einem umgefallenen Baum vorbei; wir sind auch öfter durch ein Schilfgebiet gepaddelt, es gab enge  Stellen und auch immer wieder entgegenkommende Paddler.

Im Spreewald  fahren auch  Touristenkähne, in denen etwa 20 Personen von einem Bootsführer mit einer langen Stange durch das Wasser gestakt werden. In Städten wie Lübbenau muss man – weil es dort so viele gibt – aufpassen, dass man nicht von ihnen überfahren wird.

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Theodor Fontane 1859

Aus “Spreeland” (4. Band der “Wanderungen durch die Mark Brandenburg”)

Einzelne Häuser werden sichtbar; wir haben Lehde, das erste Spreewaldsdorf, erreicht. Es ist die Lagunenstadt in Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten. Man kann nichts Lieblicheres sehen als dieses  Lehde, das aus ebenso vielen Inseln besteht, als es Häuser hat.
Die Spree bildet die große Dorfstraße, darin schmalere Gassen von links und rechts her einmünden. Wo sonst Heckenzäune sich ziehn, um die Grenzen eines Grundstückes zu markieren, ziehen sich hier  vielgestaltige Kanäle, die Höfe selbst aber sind in ihrer Grundanlage meistens gleich. Dicht an der Spreestraße steht das Wohnhaus, ziemlich nahe daran die Stallgebäude, während klafterweis aufgeschichtetes Erlenholz als schützender Kreis um das Inselchen herumläuft.

Endlich zwischen Haus  und Ufer breitet sich ein Grasplatz aus, an den sich ein Brückchen oder ein Holzsteg schließt, und um ihn herum gruppieren sich die Kähne, kleiner und größer, immer aber dienstbereit, sei es um bei Tag einen Heuschober in den  Stall zu schaffen oder am Abend einem Liebespaare bei seinem Stelldichein behilflich zu sein.

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Informationen und Tips (von Josef Still, geb. 1959)

Der Spreewald liegt etwa eine Autostunde südöstlich von Berlin entfernt nahe Cottbus. Die Spree verzweigt sich hier in unzählige Nebenarme, genannt “Fließe” und “Gräben”. Diese  grüne Wildnis ist ein altes Landwirtschaftsgebiet, in dem vor allem Gemüse angebaut wird. Spreewaldkonserven, vor allem Gewürzgurken, sind weithin bekannt.

Ortschaften und Fließe haben meist zwei Namen: einen deutschen und einen sorbischen,  denn die Gegend ist wie die ganze Lausitz traditionell von Sorben besiedelt, einer slawischen Minderheit.

Für Kanufahrer ist der Spreewald eine völlig ungefährliche und recht erholsame Region. Auch jüngere Kinder können hier bedenkenlos auf das Wasser gelassen werden.

Unseren drei kleinen Kindern hat der labyrinth-artige Dschungel viel Spaß gemacht. Der sogenannte Oberspreewald zwischen Burg und Lübbenau lässt sich kreuz und quer durchstreifen, wobei die kaum nennenswerte Strömung und die große Anzahl von Wirtshäusern und  Biergärten die Gefahr einer Überanstrengung verhindern.

Die einzelnen Flussarme sind mit Wegweisern gut beschildert, damit man sich nicht verirrt.

Wer mehrere Tage zwischen Cottbus und Lübben herumkreuzen will, kann das “Spreewaldabzeichen” erwerben. Informationen dazu gibt es bei:

ESV Lok RAW Cottbus

Wasserwanderwart Rolf Sturtz

Neustädter Str. 3

03046 Cottbus

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Hier noch einige Wirtshäuser, bei denen man eine Einkehr nicht versäumen sollte:

  • Erlkönig
  • Pohlenzschenke
  • Wotschofska
  • Waldhotel “Eiche”
  • “Opott”, Spreewaldhof und “Am Hirschwinkel” in Lehde
  • Waldschlößchen
  • Kolonieschänke in Burg
  • Dubkow-Mühle

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Unterkunft:

Ein schöner Campingplatz ist in Lübbenau. Allerdings liegt Lübbenau  schon am Rand des Oberspreewalds, so dass man für Sternfahrten nicht den besten Ausgangspunkt hat.

Billiger und zentraler ist der Campingplatz in Leipe.

Zu bedenken ist, dass Stechmücken im Sommerhalbjahr eine Plage sein können. Wer daher in kälteren Monaten in den Spreewald kommt, findet in den diversen Gasthöfen eine meist erschwingliche Unterkunft. Sehr schön ist auch die Jugendherberge in Burg, direkt an der Hauptspree gelegen. Viele der Gasthöfe und Campingplätze verleihen auch Kanus; allerdings sollten die Kanuten nicht anspruchsvoll sein: die meisten Leihboote sind klobige Plastikwannen.

Ausgesprochene Touristenzentren sind Lehde und Lübbenau. Hier geht es selten ruhig zu; Touristenboote fahren zuhauf und die Wirtshäuser sind mit Reisegesellschaften gut gefüllt. Aber schon wenige Kilometer  entfernt ist der Trubel vorbei und man genießt die Ruhe des Spreewalds.

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Sehenswürdigkeiten, die ins Pflichtprogramm gehören:

  • Besuch im ausgezeichneten Freiluft- und Volkskundemuseum Lehde
  • Lübbenau mit Schlosspark und Spreewaldmuseum
  • Kahnbau Klaus Ringl in Lübbenau-Kaupen oder Kahnbau Koal in Lehde
  • Umgebung: Schinkel-Kirche in Straupitz
  • Doppelkirche in Vetschau und rekonstruierte Slawenburg in Raddusch bei Vetschau
  • Bismarck-Turm in Burg-Dorf

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Karte, Reiseführer, Internet

Die einzig wahre Landkarte für Spreewaldpaddler ist die “Freizeitkarte Spreewald 1:25.000, 2001” (AD-Team Wolfgang Austermann & Rainer Dobberke GbR, Ringchaussee 28, 03096 Burg/Spreewald; damals DM 9,80; www.ad-team.de, service@ad-team.de). Sie enthält alle Fließe samt deren mehrsprachigen Bezeichnungen. Alle anderen mir bekannten Karten sind kaum billiger, allerdings deutlich schlechter.

Neu erschienen ist ein ausführlicher Spreewald-Reiseführer (Buchwald, Roland: Der Spreewald, 2001, SPORTVERLAG, Auf Wegen und Fließen. Ein Wanderführer.  ISBN-Nr. 3328009043, DM 29,90). Er beschreibt einzelne Rundtouren für Kanuten, Radfahrer oder Wanderer.

Im Internet finden die Suchmaschinen zum Stichwort SPREEWALD interessante  Seiten. Auch die Buchung von Unterkünften konnten wir über das Internet problemlos machen.

Fotos: Hartmut Sbosny (Chemnitz), Herbert Maas (Ulm), Josef und Gisela Still (Trier)



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