Der Rhein – Ein Porträit


von Josef Still

Der Rhein ist mit 1320 Kilometern einer der Hauptflüsse Europas. Er fließt durch die Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Frankreich, Deutschland und die Niederlande beziehungsweise an ihren Grenzen entlang und mündet schließlich in die Nordsee. Seine wichtigsten Nebenflüsse sind der Neckar, der Main und die Mosel.
Sein Name ist zunächst ”Rhein” und in Frankreich ”Rhin”. In den Niederlanden verliert sich seine Spur durch das gemeinsame Delta mit der Maas. Seine Bezeichnung auf dem Weg bis Rotterdam wechselt von ”Rijn” über “Waal”, ”Merwede”, ”Noord”, ”Nieuwe Maas” bis schließlich ”Nieuwe Waterweg”.

Der Rhein ist ab Rheinfelden (östlich von Basel) auf einer Strecke von etwa 880 Kilometern schiffbar. Alle Hauptflüsse Westpas sind mit ihm durch Kanäle verbunden. Als jüngste dieser künstlichen Wasserstraßen verbindet der 1992 eröffnete Main-Donau-Kanal den Rhein über den Main mit der Donau und damit die Nordsee mit dem Schwarzen Meer. Heute werden auf dem Fluss vorwiegend Kohle, Eisenerz, Getreide, Kaliumcarbonat (Pottasche), Erdöl, Eisen und Stahl, Holz und andere Güter transportiert. Daneben spielt der Ausflugs- und Kabinenschiffverkehr eine bedeutende Rolle. Die immer stärker fortschreitende Industrialisierung haben besonders in den sechziger und siebziger Jahren zur Verschmutzung des Rheins geführt. 1976 wurde ein Vertrag zur Verbesserung seines Zustands durch die Anrainerstaaten Niederlande, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Schweiz unterzeichnet. Die Qualität des Rheinwassers verbessert sich seither zusehends.

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Verlauf


In den Schweizer Alpen bildet sich der Rhein aus dem Vorderrhein, der aus dem westlicher gelegenen Gotthard-Massiv kommt, und dem Hinterrhein, der in der Nähe des San-Bernardino-Passes entspringt. Westlich der Schweizer Stadt Chur fließen beide zusammen. Als Alpenfluss ist sein Oberlauf durch starke Wasserführung zur Zeit der Schneeschmelze geprägt. Die Strecke von Chur in Richtung Norden bis zum Bodensee nennt man ”Alpenrhein”.








Als so genannter Hochrhein fließt er in westlicher Richtung bis Basel, wobei er südlich von Schaffhausen als reißender Fluss den ungefähr 20 Meter hohen Rheinfall bildet, den größten Wasserfall Mitteleuropas.

In Basel schwenkt der Fluss nach Norden in den Rheingraben, der zwischen den Vogesen im Westen und dem Schwarzwald im Osten liegt. Nun heißt er ”Oberrhein”. Straßburg (Strasbourg) bildet einen Wasserstraßen-Knoten, an dem der aus dem Pariser Becken kommende Rhein-Marne-Kanal in den Rhein mündet.

Bei Mainz, wo der Main in den Rhein fließt, beginnt das malerischste Stück des Flusses.







Wenige Kilometer später bei Bingen bestand in früheren Zeiten das von der Schiffahrt gefürchtete ”Binger Loch”, eine  gewaltige im Fluss liegende Felsplatte, bei der nur an einer kleinen Stelle die Durchfahrt möglich war.








Noch heute ist die Strömungsgeschwindigkeit von hier bis etwa Trechtingshausen deutlich stärker als anderswo. Bergfahrende Schiffe nehmen nicht selten ein helfendes Vorspannschiff in Anspruch. Im folgenden durchfließt der so genannte Mittelrhein in einem engen, weinbewachsenen Tal das Rheinische Schiefergebirge; links liegt der Hunsrück, rechts der Taunus.








Dieses malerische Tal zieht sich bis Koblenz, wo zunächst von Nordosten die Lahn und wenig später am ”Deutschen Eck” die Mosel einmünden, und weiter bis Bonn.

In Bonn schließlich ist der romantische Teil des Rheins mit all den  Burgen und Orten, in denen sich Rhein auf Wein reimt, zu Ende und der Niederrhein beginnt.





Wichtige Städte sind die Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf.



In Duisburg, dem größten deutschen Rheinhafen, erreicht der Fluss das Ruhrgebiet, eines der größten Industriereviere der Welt. An der Grenze bei Emmerich ist der Rhein etwa 730 Meter breit. Kurz darauf beginnt das große Delta des Rheines. Bei km 867,4 teilt er sich in zwei parallele Flussarme, den Lek (rechts) und den Waal (links).








Der Europoort in Rotterdam ist seit 1962 der größte Hafen der Welt.

Die Mündung in die Nordsee liegt etwa 30 km weiter westlich bei Hoek van Holland.





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Rheinromantik und Politik

Zwei weitere Aspekte des Rheins dürfen in diesem Kurzportrait nicht fehlen.


Rheinromantik

Burgruinen, malerische Orte, mittelalterliche Bauten oder schroffe Felsen waren Anziehungspunkte und ideale Bildmotive für Künstler aus ganz Europa. Vor allem reisende Engländer und Engländerinnen malten Aquarelle, erste Zeugnisse einer touristischen Rheinmode. Der bekannte Maler William Turner bereiste die Gegend elfmal. Auch ”Touristen” gab es im Rheintal zwischen Straßburg und Köln schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das erste Dampfschiff verkehrte bereits 1816, und Ausflugsschifffahrtsgesellschaften waren dank eines klugen Managements Vorreiter eines modernen Fremdenverkehrs. Die noch heute üblichen Faltkarten mit dem Rheinlauf etwa waren schon vor über 100 Jahren bekannt.

Der Rhein als nationales Symbol
Nach der französischen Revolution wurde das gesamte linksrheinische Gebiet französisch. Das änderte sich erst wieder nach dem Ende der napoleonischen Ära, als der Wiener Kongress die Landkarte neu gestaltete. Doch blieb der Rhein im spannungsgeladenen Verhältnis zum westlichen Nachbarn Frankreich bis zum 2. Weltkrieg ein patriotisches Symbol. Der Flussgott stieg vom „Vater“ zum „Wächter“ auf. Das Niederwalddenkmal in Rüdesheim, das Deutsches Eck und die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz sind Zeugen dieser Zeit.


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Tipps für Rheinpaddler

Von Mainz aus erreicht man mit dem Kanu auf dem Mittelrhein und dem Niederrhein in etwa zwei Wochen die  Nordsee. Wir zumindest schafften das mit vollbeladenen Faltbooten in bequemem Reisetempo und mit zahlreichen Landgängen.


Vor allem die Strecke von Mainz bis Emmerich ist für Paddler ideal: Gute Strömung, keine Stauwerke, wunderbare Landschaft. Allerdings erfordert der starke Schiffsverkehr ein aufmerksames und konzentriertes Fahren. Der Verkehr ist bereits auf dem Mittelrhein deutlich stärker als auf anderen Flüssen; ab Duisburg und dem Ruhrgebiet wird er nochmals dichter. Vor allem starke und große Schubverbände etwa von Krupp und Haniel beherrschen nun das Bild.
Die Fahrrinne ist mit Bojen und auf dem Niederrhein mit Steinbuhnen gut markiert. Der Schiffsverkehr ist in seiner Bewegung dadurch für Paddler gut vorhersehbar und bietet bei vorsichtiger Fahrweise kaum Gefahren. Ein Paddeln knapp außerhalb der Fahrrinne ist meist gut möglich. Zum Abschneiden von Kurven findet man in der Regel eine Lücke im Schiffsverkehr, um die Fahrrinne kreuzen zu können.



Etwa ab Xanten und der niederländischen Grenze nimmt die Strömungsgeschwindigkeit deutlich ab. Probleme mit Wind und Wellen können nun entstehen. Der Gegenwind kann Zeitpläne durcheinander bringen. Besonders überrascht hat uns kurz vor Rotterdam eine Gegenströmung: Ebbe und Flut wirken sich auch auf die letzten Rheinkilometer aus!


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Zelten:


Klassische Bootswanderer mit Zelt haben am Rhein nirgends Schwierigkeiten, einen Übernachtungsplatz zu finden. Entlang des deutschen Rheins gibt es Campingplätze und Kanu-/Ruderclubs genug, bei denen man unterkommen kann. Am Niederrhein und in Holland zeltet man am besten wild.








Von den Verzweigungen des Flusses in Holland war oben schon die Rede: Bei km 867,4 teilt er sich in zwei parallele Flussarme, den Lek (rechts) und den Waal (links). Wer Rotterdam ansteuert, fährt am besten auf dem Waal und biegt einige Kilometer nach Gorinchem bei km 952 rechts ab  Richtung Sliedrecht.

In Rotterdam angekommen, ist es Kanufahrern nicht gestattet, durch den riesigen Hafen ”Europoort” und weiter in Richtung Hoek van Holland zu paddeln.




Eine empfehlenswerte Alternativstrecke, die kaum ein Umweg ist, führt auf dem Delfter Schie über Delft nach Den Haag. Dazu biegt man in Rotterdam kurz nach dem Kilometerschild 1002 beim ”Euromast” rechts ab in den Parkhaven.

In den Grachten von Den Haag orientiert man sich am besten mit einem FALK-Stadtplan. Kurz vor der Mündung in die Nordsee beim Hafen in Scheveningen muss ein Absperrtor umtragen werden.




"In Scheveningen ist die Nordsee erreicht. Vorne auf dem Boot ein Dreiradanhänger, den ich in Den Haag aus einer Gracht gefischt habe. Mittlerweiler hat er in Ulm und Trier eine stattliche Kilometerleistung absolviert..."


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Karten und Kanuführer:

Deutschland: Generalkarten
Holland: Generalkarte Niederlande, ANWB Waterkaart (Teil J)
Den Haag: Falk-Plan

In den DKV-Führern wird der Rhein für Kanuten genauestens beschrieben:
– DKV-Auslandsführer Band 1, Band 2 (Alpenrhein)
– Deutsches Flusswanderbuch (Bodensee bis holländische Grenze)
– DKV-Auslandsführer Band 6 (Reststrecke bis Mündung).

Meines Erachtens braucht man aber für die holländische Strecke keinen Kanuführer mehr. Eine gute Karte reicht.






Th. Möller hat einen sehr schönen Bericht über seine Fahrt auf dem Hochrhein geschrieben.