Wildwasser-Tour auf Korsika

Wo Paddler sich noch grüßen

“Dieses Jahr nach Korsika? Da ist doch kein Wasser!…” hörten wir an jeder Ecke. Aber geplant ist geplant und das Fährticket und auch der Kurs bei Christian und Nadja war schon gebucht und so waren wir weiter optimistisch. Schließlich hatte es im März ja auch noch mal geschneit, dann musste es auch Wasser geben!

Unser Weg auf die Ile de Beauté führte und noch für zwei Tage an den Var nach Entrevaux. Die Vorfreude wurde dann allerdings getrübt, als wir den ersten Blick in den Bach warfen… Noch weniger Wasser als in den Jahren zuvor – bis gestern noch kaum vorstellbar. Aber egal – schließlich waren wir zum Paddeln hier und schrabbelten 2 Tage hintereinander gnadenlos durch die Daluis-Schlucht.

Ostersonntag ging es dann endlich weiter. Mit der Fähre nach Korsika und zu unserer ersten Station an den Tavignano. Dort war zwar auch wenig Wasser, aber im Vergleich zu den Vortagen war das schon richtig viel. Und am ersten Tag am oberen Tavignano wurde es dann auch direkt sportlich. Die kleine Klamm, durch die wir fuhren, erreichte auch bei dem niedrigen Wasserstand schon WW IV und Christians aufmunternde Worte (“Rechts sieht gut machbar aus, da schießt das Wasser zwar senkrecht auf eine Wand zu, aber mit einem gekonnten Ziehschlag kommt man da locker dran vorbei!…Ich hoffe mal, dass das jetzt auch stimmt, ich muß das ja jetzt ausprobieren…” und weg war er…) klangen im ersten Moment auch nicht besonders ermutigend. Aber alles war wirklich gut machbar und es war ein klasse Anfang für die 10 Tage Paddeln. Zwischendurch genossen alle die Landschaft und den Kräuterduft (Macchia), der einen auf der ganzen Insel begleitete.

Am zweiten Tag sollte es dann auf den Golo gehen. Dort ist ja an jedem Werktag zur gleichen Zeit Kraftwerksablaß… Pünktlich um 12 Uhr lief dann auch Wasser und so luden wir die Boote ab und zogen uns um. Als es dann ums Autos umsetzen ging, stutzen wir, da der Klang des strömenden Wassers sich gehörig verändert hatte. Ein Blick in den Bach bestätigte dann auch unsere Vermutung: Die hatten uns doch glatt das Wasser vor der Nase wieder abgedreht! Was nun? Warten? Anderer Bach? Also, auf zum Asco – zu wenig Wasser – und dann zum unteren Vecchio. Der erwartete uns mit Mindestpegel und wir wurden für unsere Mühen belohnt mit wunderschönem WW mit langen technischen Katarakten. Auch die Tavignano-Schlucht  einen Tag später bot uns tolles WW mit wuchtigen Rutschen und schmalen Durchfahrten durch die Klamm.

Am vierten Tag starteten wir einen erneuten Versuch am Golo, den wir aber wieder leider nur mit trockenem Flussbett vorfanden. Nach kurzer Überlegung beschlossen wir unser Camp einen Tag früher abzubauen und direkt an die Ostküste weiterzufahren. Leider trafen wir auch dort Gravnona, Liamone und Cruzzini nur im “trockenen” Zustand an. Nach zwei Tagen Autofahren und Pause versuchten wir unser Glück nun am Taravo. Der sollte doch immer gehen (o.k. der Cruzzini auch…) Auch dort sah es am Einstieg etwas mager aus, aber die zwei Pausentage bewirkten, dass alle sich einig waren: Ein Versuch ist es wert. Immerhin gibt es nach ca. 1km die Möglichkeit noch ohne größere Schwierigkeiten wieder vom Bach zu kommen. Die Durchfahrten waren arg eng und teilweise nur schwierig zu machen, so dass sich nach dem ersten Kilometer tatsächlich die Gruppe teilte und wir mit ein paar Leuten dann doch lieber zur Straße hochkletterten. Die andere Hälfte der Gruppe kam dann nach 4km und 2,5Std. am Ausstieg an und bestätigte uns in der Entscheidung aufzuhören. Tja, was nun. Eigentlich war geplant, weiter die Insel runter bis nach Bonifazio und dann wieder die Ostküste hochzufahren. Bei einem Café wurde dann aber entschieden, sich wieder auf den Rückweg zu machen, da wir ja immerhin paddeln und nicht an trockenen Flüssen stehen wollten. Dann ging es abends noch “mal eben” wieder zurück Richtung Corte an ein Camp am Golo und am nächsten Tag wurden wir auch direkt für diese Entscheidung belohnt: Der Asco lief! Und der war auch gleich noch eine Stufe sportlicher als alles andere vorher. Von technischen und wuchtigen Katarakten und kleineren und mittleren Stufen wurde uns alles geboten. Die nächsten Tage konnten wir endlich durchgehend paddeln. Am nächsten Tag fuhr eine Hälfte dann zum oberen Asco, den ich dann allerdings für mich schon für zu sportlich hielt. Wir begnügten uns noch mal mit der Tavignano-Schlucht und ließen es uns einen Tag gut gehen, während der Rest mühsam versuchte, ein Boot wieder einzufangen, welches sich bei der Besichtigung der Drosselgasse (WW V) selbstständig gemacht hatte und genüsslich alleine durch die besichtigte Stelle “dümpelte”…

Um uns von den “Strapazen” zu erholen, setzten wir die Schwierigkeiten wieder ein bisschen runter, fuhren an den unteren Golo und versuchten uns an der Barchetta-Schlucht, die ja auch ohne Kraftwerksablaß (der war jetzt übrigens immer Nachts…) paddelbar sein sollte. Der Eingangskatarakt war dann auch noch ganz nett, aber ab hier bekam der Begriff “Drop & Pool” eine ganz andere Bedeutung: Der Pool hörte nämlich gar nicht mehr auf… Die landschaftlich schöne aber WW-technisch recht “ruhige” Strecke wurde nur unterbrochen durch ein äußerst interessantes Wehr und eine – bei unserem Wasserstand – unfahrbare Stelle. Also musste am nächsten Tag wieder was sportlicheres her und da die Auswahl nicht besonders groß war, ging es (alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei…) noch einmal mit dem ganzen Trupp  in die Tavignanoschlucht.

Als der letzte Paddel- und Kurstag anstand, wollten es ein paar mutige noch einmal richtig wissen und probierten ihr Glück am Fium Orbo. Immerhin 1,5 Std. Fahrt auf und es bestand noch das Risiko auch hier kein Wasser vorzufinden. Da ich mich für meinen Teil aber lieber noch nicht in WW-Bereiche um die IV-V begebe und ein gewisser Teil unserer Truppe diesen Nervenkitzel ebenfalls nicht suchten, machten wir uns noch mal einen schönen Tag mit nettem WW auf dem oberen Tavignano und beendeten damit ein paar spannende und wunderschöne Paddeltage.

Hiernach teilte sich die Gruppe auf und jeder erkundete für sich noch ein bisschen der Insel, die so unwahrscheinlich viele tolle Ecken zu bieten hat, so dass wir auf jeden Fall noch einmal hier ansetzen müssen – nicht nur, um noch weitere tolle Bäche zu entdecken.

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