Bootshaus


Geschichte der Ruderer im Bootshaus der TKF

Kriegergedächtnistafel am Bootshaus




Auf der Kriegergedächtnistafel am Bootshaus der Trierer Kanufahrer steht die Inschrift „Dem Andenken der auf dem Felde der Ehre gebliebenen Kameraden. Der A.H.V. des G.R.V. am K.W.G. 1914 + 1918“. Da mit KWG das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium gemeint ist, das heute den Namen Max-Planck-Gymnasium trägt, schrieben wir 2009 an den Leiter der Schule mit der Bitte, etwas zu der Tafel in Erfahrung zu bringen. Michael Tenschert, Lehrer am MPG, hat eine Reihe hochinteressanter Fakten ans Tageslicht gebracht und uns mitgeteilt. Herzlichen Dank dafür!

Abkürzungen im Text:
AHV Alt-Herren-Verband
GRV Gymnasialruderverein
KWG Kaiser-Wilhelm-Gymnasium Trier
MPG Max-Planck-Gymnasium Trier
HGT Hindenburg-Gymnasium Trier (heute Humboldt-Gymnasium Trier)
FWG Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Trier
RGT Rudergesellschaft Trier
HJ Hitlerjugend

“Zu der Entstehungszeit der Tafel gab es den Alt-Herren-Verband des Gymnasialrudervereins. Die Abkürzungen auf der Tafel sind also zu erklären. Wohl zeitgleich ist für die damalige Notunterkunft des KWG in der Bruchhausenstraße 19a ein großes Kriegerdenkmal in ähnlichem Stil geschaffen worden. Das Gymnasialgebäude in der Sichelstraße (heute MPG) war bis 1930 beschlagnahmt und fungierte als Lyceé francais. Nach der Rückgabe wurde das Denkmal in die Sichelstraße verbracht und befindet sich heute im Treppenhaus vor der Aula. Gefertigt wurde es von dem Trierer Werkkunstschulprofessor August van der Velde (1870-1958). Denkbar ist, dass auch die Tafel am Bootshaus von ihm stammt.

Zur Geschichte des Gymnasialruderns am MPG:

  • Gegründet wurde der Verein in der Boomzeit des „Turnvater Jahn“ 1906/07
  • 1906 war das KWG noch in der oberen Böhmerstraße im alten Karmeliterkloster (heute Volksfreundpassage) untergebracht. Das neue Schulgebäude in der Sichelstraße wurde erst im Januar 1914 eingeweiht.
  • In Trier gab es zu der Zeit noch zwei weitere Gymnasien mit aktiver Beteiligung am Rudersport, das HGT und das FWG.
  • Im folgenden Ausschnitte aus Jahresberichten:

1914
Der Ruderverein am KWG hatte 54 Mitglieder und unternahm 306 Fahrten mit 2513 Bootskilometern. In jenem Sommer gelang es mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums einen einfachen Holzbau als Bootshaus oberhalb der damaligen Trierer Kläranlage zu errichten. Zugleich wurde ein neuer Vierer „Greiffenklau“ erworben. Das für den 1.8.1914 vorgesehene Fest der Einweihung des neuen Bootshauses und des Vierers muss wegen des Kriegsausbruchs unterbleiben.

1920
In diesem Jahr wurden den Schülern wieder größere Freiheiten eingeräumt. So wurde das Vereinsleben außerhalb der Schule im Gegensatz zu früheren restriktiven Anordnungen der Schulbehörde neu belebt, auch durch den Bau des “Bootshauses der vereinigten Trierer Schülerrudervereine” (heute TKF-Bootshaus). Es gab dafür ab Juni 1920 aufgaben- und unterrichtsfreie Nachmittage, an denen sich die Schüler der freien Betätigung in gesunden Leibesübungen, dem Wandern, dem Spiel, dem Schwimmen, Rudern usw. widmeten. Ferner existierte wieder der monatliche Wandertag.

1926/27
Durch den Alt-Herren-Verband des Gymnasialrudervereins wurde der Schule ein neues Boot zur Verfügung gestellt, das auf den Namen „Alte Kameraden“ getauft wurde. Von Staatlicher Seite erhielt die Schule 800 Mark für das Rudern. Erfolgreich nahmen Schüler der Schule am Stadtjugendtag und an den Bezirkswettkämpfen teil. Das Reichsjugendsportabzeichen und Sportabzeichen in Bronze wurde von einigen Schülern errungen.

1927/28
Durch Spenden konnte ein neuer Vierer gekauft werden. Das Bootshaus der Vereinigten Trierer Schülerrudervereine wurde mit staatlichen und städtischen Mitteln einem gründlichen Umbau unterzogen, so dass es als “das schönste Bootshaus des Rheinlandes” bezeichnet werden konnte.

1931/32
Am 24.9.1931 feierte der Schüler-Ruder-Verein am KWG sein 25jähriges Bestehen mit Orgelklängen(!) in der Schulaula. Aula und Orgel sind heute noch vorhanden.

1932/33
Erfolgreich waren in diesem Schuljahr wieder die Mitglieder des Gymnasialrudervereins. Ihm standen 2 Vierer und 2 Skullzweier zur Verfügung, die im 1920 vollendeten Bootshaus untergebracht waren. Die Ruderer nahmen sowohl an der Schülerregatta als auch an der allgemeinen Regatta teil. Im Berichtsjahr legten sie 5433 Personenkilometer mit ihren Booten zurück.

1933/34
Anscheinend ergaben sich erste Reibereien zwischen Schule und HJ. Das zeigt sich im Bericht über den Schülerruderverein. Es heißt: „Im Berichtsjahr litt der Ruderbetrieb zuletzt dadurch, dass die Schüler mehr und mehr finanziell wie auch zeitlich durch die Tätigkeit der Hitlerjugend stark in Anspruch genommen waren. Entweder muss der Ruderbetrieb in die HJ eingegliedert werden, oder er wird sich an der Schule nicht mehr durchführen lassen.“

1934/35
Für den Gymnasialruderverein ergaben sich wiederum Schwierigkeiten durch die HJ (Das KWG war reine Jungenschule). Zunächst konnten sich die Ruderer des KWG am Anrudern des Trierer Wassersportvereins nicht beteiligen, weil sie am HJ-Dienst teilnehmen mussten. Dann wurden laut Vereinbarung zwischen Gebietsführung West (gemeint ist das sog. „Obergebiet West“) und dem westdeutschen Schülerruderverband die Ruderer gezwungen, Mitglied der HJ zu sein. Schließlich waren Bestrebungen im Gange, die drei Trierer Schülerrudervereine aufzulösen. Durch ministerielle Verfügung blieben sie aber bestehen. Wegen der Vereidigung der HJ am 1.7.34 konnte das KWG als einziger Trierer Schülerruderverein an der Schülerruderregatta nur mit einem Einer teilnehmen, aus Mangel an Geld aber nicht mehr an der Saar-Regatta Ende Juli 1934. Wahrscheinlich um dem Aufgehen in der JH zu entgehen, wurden von 1935 an die Ruderer des KWG vom Trainer der Trierer RGT trainiert und das mit Erfolg: Am 7.4.1935 fuhr der Vierer der Schule 5 km stromaufwärts und zurück in 52 Minuten und 40 Sekunden und wird erster Sieger der drei Trierer Schülerrudervereine.

1935/36
Nach intensivem Training waren wieder Erfolge des Schülerrudervereins zu verzeichnen. U.a. gewann bei der Herbstregatta in Trier der Jugend-Gig-Vierer des KWG mit Längen Vorsprung vor Mainz. Mit einer Beihilfe von 500 RM durch den Minister konnten endlich Schulden des Rudervereins beglichen und notwendige Reparaturen vorgenommen werden.

1936/37
In diesem Schuljahr ging der Ruderbetrieb zurück. Der Mangel an Steuerleuten und an Geld für Boote war dafür verantwortlich. Außerdem fand 1936/37 keine Schülerregatta statt.

1937/38
Viele Schüler aus Klasse 5-9 erwarben den Freischwimmer- und Fahrtenschwimmerschein, 3 Oberstufenschüler den Grundschein der DLRG. Durch den Abgang der beiden Primen hatte das Rudern starke Einbußen erlitten. Nur 8 Ruderer und drei zum Teil reparaturbedürftige Boote ließen lediglich einen mäßigen Betrieb mit Wanderfahrten zu.

1938/39
Am Rudern nahmen 7 Mann der oberen 4 Klassen teil, die durchweg drei- bis viermal wöchentlich zwei Stunden Übungsfahrten und kleinere Wanderfahrten unternahmen. Im März 1938 erhielten die Ruderer einen staatlichen Zuschuss.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schülerrudern 1953 wieder mit Unterstützung der RGT aufgenommen.

Im Mai 1957 erhielt die Schule vom Sozialministerium 300 DM zur Beschaffung eines Ruderbootes, nachdem im Jahre 1956 die Schulmeisterschaft erfolgreich verteidigt worden war. 1957 gewann der Schüler-Gig-Vierer mit Steuermann beim Schüler-Rennen der Trierer Regatta.

Seit 1957 sind keine weiteren Berichte mehr überliefert. Heute wird das Rudern traditionsgemäß weitergeführt und von Sportlehrer zu Sportlehrer vererbt. Die mittlerweile 103jährige Tradition des Ruderns am KWG/MPG ist aber nicht mehr im Bewusstsein.

Derzeit (2009) hat die Ruder-AG 14 aktive Mitglieder. Sie wird momentan in Zusammenarbeit mit dem Ruderverein Treviris 1921 e.V. Trier veranstaltet.”

Herzlichen Dank an Michael G. Tenschert, Lehrer am MPG, der im Oktober 2009 unsere Anfrage zum Kriegerdenkmal so ausführlich beantwortete. Als Hauptquelle für seine Recherche diente die Festschrift „175 Jahre Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, Max-Planck-Gymnasium, Trier“ von Bernd Raussen.