Hans Karl Schmitt

Das Bootshaus der Trierer Kanufahrer trägt seit 1962 den Namen „Hans-Karl-Schmitt-Haus“.

Hans Karl Schmitt

Der Namensgeber ist nur noch den älteren Vereinsmitgliedern ein Begriff; die jüngeren Kanuten wissen wenig über ihn. Deshalb sei Hans Karl Schmitt, eine der wichtigsten und einflussreichsten Personen im Trierer Sportleben der Nachkriegszeit, hier kurz vorgestellt.

Schmitt wurde am 14. Oktober 1907 als Sohn eines Zeichenlehrers und Kunstmalers in Trier geboren und besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Dort machte er 1927 das Abitur und studierte sodann Deutsch, Französisch, Englisch und Philosophie an den Universitäten Bonn, Paris, Berlin, London und Köln. Als Studienreferendar war er in Koblenz, Trier (Hindenburg-Realschule) und Essen tätig (2. Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien an der Krupp-Oberrealschule Essen 1937). Von 1937 bis 1943 war er wieder an der Hindenburg-Realschule in Trier, dann versetzte man ihn an das Kaiser-Karl-Gymnasium in Aachen.

Er heiratete 1937; ein Sohn wurde 1939 geboren.Im Kriegsjahr 1940 wurde er zum Wehrdienst in der Deutschen Kriegsmarine eingezogen und hatte zuletzt den Rang eines „Kapitänleutnant zur See“. Den Schuldienst in Aachen hat er weder während des Krieges noch nach dem Krieg angetreten, da er sich seiner Heimatstadt so sehr verbunden fühlte, dass er nach Kriegsende alles daran setzte, wieder in Trier angestellt zu werden. 
1948 nahm er seinen Dienst am Max-Planck-Gymnasium auf, wo er bis zu seinem frühen und unerwarteten Tod am 26. Januar 1961 als Studienrat und ab 1960 als Oberstudienrat wirkte. Als hochgeschätzter Fachlehrer unterrichtete er die Fächer Deutsch, Französisch und Englisch. Sein noch aus Studentenzeiten stammender Spitzname „Pascha“ war in Schüler- und Lehrerkreisen ebenso gebräuchlich wie bei den Paddlern und in den Sportvereinen. Schon 1953 wurde er Personalratsvorsitzender und Vertrauenslehrer am MPG. Seit April 1958 war er zudem Mentor (Fachleiter) für Französisch am Staatlichen Bezirkssminar für Gymnasien in Trier.

Am traditionsreichen MPG organisierte er zahllose Feste und Wanderungen und rief auch eine Paddlergruppe ins Leben. Neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Pädagoge profilierte er sich mehr und mehr zu einem der wichtigsten Organisatoren des Trierer Sports: Er war erster Vorsitzender der Trierer Kanufahrer von 1950 bis zu seinem Tod 1961. Auf sein Betreiben kaufte der Verein 1959 das heutige Bootshaus, das früher der Stadt gehörte und als „Schülerbootshaus“ den Ruderern gedient hatte. Er gründete mit dem damaligen Vorstand die Rennsport-Abteilung des Vereins. Dank seiner Initiative wurden erstmals nach dem Kriege Kanu-Regatten in Trier durchgeführt. Seinem Verhandlungsgeschick ist zu verdanken, dass schon sehr früh Luxemburgische Vereine an den Trierer Regatten teilnahmen und dass sich die Beziehungen zu den saarländischen Vereinen (das Saarland stand nach dem Kriege zunächst unter französischer Verwaltung) normalisierten.

Ab 1954 war er Vorsitzender des Stadtverbands für Leibesübungen, dem Dachverband aller Trierer Turn- und Sportvereine. Der Trierer Stadtrat wählte ihn 1956 in den Städtischen Sportausschuss. Seiner Arbeit sind mit zu verdanken:

  • die beiden Freibäder Trier-Nord und Trier-Süd
  • der Umbau des Weißhausstadions
  • die Errichtung der Bezirkssportanlage Heiligkreuz
  • das Sportjugendheim im Weißhauswald

Neben dieser Fälle von Ämtern und Ehrenämtern fand er noch Zeit, Gedichte in Trierer Mundart zu verfassen.Schmitt wohnte bis zu den Bombenangriffen vor Weihnachten 1944 Am Deimelberg 8, nach dem Krieg zunächst in der Agritiusstraße 23, dann in der Palaststraße 19 und zuletzt in der Hohenzollernstraße 20.

Hans Karl Schmitt wurde für seine Verdienste um den Sport in der Region Trier mehrfach ausgezeichnet: Silberne Ehrennadel des DKV, des Postsportvereins Trier und des VFL Trier, Ehrennadeln des Luxemburgischen Kanu-Verbandes sowie verschiedener Luxemburgischer Kanu-Vereine.

Sogar ein “Lied der Trierer Kanufahrer” textete Hans Karl Schmitt. Zu singen ist es auf die Melodie “Wenn die bunten Fahnen wehen”.

1. Überall auf Deutschlands Strömen und darüber weit hinaus
siehst du uns’re Fahne wehen, sonndurchglüht, vom Sturm zerzaust.
Stolz von den Zelten und an jedem schnellen Boot 
leuchten uns’re Farben gelb und rot.

2. Ob vom Himmel lacht die Sonne, ob der Wind die Weiden biegt, 
auf des Flusses muntern Wellen lustig unser Boot sich wiegt. 
Stolz von den Zelten und an jedem schnellen Boot 
leuchten uns’re Farben gelb und rot.

3. Senkt sich dann die Nacht hernieder, füllt des Mondes Glanz das Zelt, 
flackert rot das Lagerfeuer, klingt ein Lied weit durch die Welt. 
Stolz von den Zelten und an jedem schnellen Boot 
leuchten uns’re Farben gelb und rot.

4. Trierer Kanufahrer sind wir, alleweg der Heimat treu 
und in Freundschaft fest verbunden, unserm Club ein froh Ahoi! 
Stolz von den Zelten und an jedem schnellen Boot 
leuchten uns’re Farben gelb und rot.

Quellen:
Daubach, Karl: Hans Karl Schmitt, Nekrolog in „Neues Trierisches Jahrbuch“,1962. Freundliche Auskünfte verdanken wir seinem Sohn Wolfdieter Schmitt, Hillesheim, Herrn Bernd Raussen, einem Kollegen Schmitts am Max-Planck-Gymnasium und Frau Margot John von den Trierer Kanufahrern.